Zielstrebig promovieren

Ich bin fertig. Meine Arbeit habe ich gerade beim Verlag eingereicht. Jetzt muss ich hoffentlich nur noch warten, bis sie veröffentlicht wird. Ich habe ungefähr 9 Monate an meiner Promotion gearbeitet, bevor ich einen Vollzeitjob angefangen habe. In diesem Beitrag möchte ich acht Empfehlungen aus meiner Erfahrung aussprechen. 4 Do’s und 4 Don’ts.

1. Erwartungen klar formulieren

Eine zügige Promotion ist nur möglich, wenn Doktorand und Betreuer sich hierüber einig sind. Ich habe meinem Betreuer schon im ersten Gespräch gefragt, ob er eine Promotion innerhalb eines Jahres für realistisch hält. Er bejahte dies (beachte unten 2). Damit hatten wir bereits den Grundstein für Punkt 1 gelegt. Zugleich erkundigte ich mich, wie oft wir uns zum Gespräch treffen sollten und ob er zwischendurch Leseproben bekommen wolle. Dies alles hat dazu geführt, dass wir von Anfang an klar wussten, woran wir sind.

2. Nicht nebenbei arbeiten

Eine Promotion innerhalb eines Jahres fertigzustellen, geht sicherlich nur dann, wenn man nicht nebenbei arbeitet. Das klingt erst einmal unrealistisch: Wovon soll der Doktorand seinen Lebensunterhalt bestreiten? Ich halte es für am wirtschaftlich sinnvollsten, sich Geld zu leihen (sollte man kein Stipendium bekommen). Ich habe folgende Rechnung angestellt: Wenn ich zwei Tage pro Woche in einer großen Kanzlei arbeite, kann ich im Monat 2.000 Euro brutto verdienen, das sind 24.000 Euro in einem Jahr, 48.000 Euro in zwei Jahren. Eine Promotion in unter zwei Jahren hielte ich zum damaligen Zeitpunkt (und auch heute noch) für unrealistisch, sollte ich nebenbei arbeiten.

Sollte ich ein Jahr brauchen und mir Geld leihen, könnte ich im zweiten Jahr schon Geld verdienen. Einen Kredit müsste ich nur in Höhe von 18.000 Euro (ausgehend von 25% Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen im obigen Beispiel) aufnehmen. Im zweiten Jahr könnte ich jedoch bereits 60.000 Euro verdienen (nehmen wir diese Zahl einmal als Durchschnittswert, wenn man in einer Großkanzlei arbeiten kann und möchte). Wenn man hier jetzt auch davon ausginge, dass nach Steuern 45.000 Euro verblieben und zieht man von diesen 19.000 Euro ab (1.000 Euro Zinsen entsprächen fast 6% p.a.), so verblieben noch immer 26.000 Euro (netto!). Ich hätte also im zweiten Jahr bereits 8.000 Euro mehr. Zudem ein Jahr mehr Berufserfahrung.

Diese Rechnung ist meiner Meinung nach immer noch verzerrt. Denn jemand, der drei Tage in der Woche an der Promotion und zwei Tage in der Woche in einer Großkanzlei arbeitet, schafft meines Erachtens in zwei Jahren weniger als jemand, der ein Jahr lang fünf Tage in der Woche an der Promotion arbeitet. Dem liegt folgende Erwägung zu Grunde: Wenn ich mich ständig neu orientieren muss (weil die Inhalte in der Kanzlei andere sind als in der Promotion), dann bin ich weniger produktiv. Dem könnte man natürlich entgegen halten, dass die Arbeit in der Kanzlei eine schöne Abwechslung darstellt. Letztendlich sicherlich eine Typfrage.

3. Nicht „erstmal nur lesen“

Will man zügig promovieren, kann man nicht erstmal ein halbes Jahr „nur mal lesen“. Vielmehr sollte von Anfang an systematisch gearbeitet werden. Hat man (in meinem Fall auf Vorschlag des Betreuers) ein Thema gefunden, so gilt es, dieses möglichst schnell in einer Gliederung systematisch zu erfassen.

4. Systematisch Literatur verwalten

Anschließend sollte man systematisch seine Literatur verwalten. Ich habe hierzu ein Literaturverwaltungsprogramm (zotero, kostenlos downloadbar – es gibt auch andere) genutzt. In diesem Programm kann man einzelne Literaturnachweise eintragen, diese elektronisch hinterlegen (ich habe nur mit PDFs gearbeitet, um kein Papier suchen zu müssen). Zudem kann man Stichworte für jeden Artikel vergeben, mittels derer anschließend diejenigen Literaturnachweise schnell gefunden werden können, die zum jeweiligen Gliederungspunkt passen.

Zudem spart einem die Software tagelange Arbeit bei der Erstellung des Literaturverzeichnisses.

5. Das Jahr, Den Monat, Die Woche, den Tag planen

Das Ziel nach einem Jahr ist klar: Abgeben der Arbeit. Hierfür gilt es, jeden Monat genau zu planen. Ich habe stets auch Überarbeitungsphasen geplant. Wie für viele war es auch für mich schwer, mit dem Schreiben anzufangen. Schließlich geht es um eine Dissertation und ich kann ja nicht druckreif formulieren (der Lateiner spricht vom „horror vacui“, der Angst vor dem leeren Blatt). Die Erkenntnis, dass man das auch nicht muss, war eine Befreiung. Sie geht einher mit ständigen Überarbeitungsphasen. Im Rahmen meines LL.M.-Studiums hatte ein Dozent erklärt, eine Arbeit würde nicht beim „writing“ sondern durch „constant re-writing“ erst gut. Das hat mich überzeugt und ich habe im Rahmen meiner Promotion versucht, dies so gut wie möglich umzusetzen.

Ich habe für jede Woche und für jeden Tag mit konkreten Zielvorgaben gearbeitet. Manchmal habe ich sie erreicht, manchmal nicht, zumeist habe ich mehr geschafft. Auf diese Weise entsteht auch ein positiver psychologischer Effekt: Ich bin im Zeitplan.

6. Nicht abseits des Themas lesen

Das Vorhaben, eine Promotion innerhalb eines Jahres abzuschließen, erlaubt kein „Sich-treiben-lassen“. Das ist sicherlich wissenschaftlich nicht ideal, geht aber mit dem ambitionierten Zeitplan einher. Aus diesem Grund habe ich versucht, jeden Literaturnachweis nur unter dem Blickwinkel meines Themas zu sehen. Das mag zur „wissenschaftlichen Armseligkeit“ führen, aber auch zu Schnelligkeit.

7. Immer wieder Abstand gewinnen

Ich war während meines Promotionsjahres zwei Mal einen Monat verreist und habe mich auch während des Urlaubs nicht unmittelbar mit der Promotion beschäftigt. Eine solche Abwesenheit hilft, Abstand von dem Geschriebenen zu gewinnen. Gerade hiernach hat es bei mir besonders gut geklappt, bereits geschriebene Abschnitte zu überarbeiten.

8. Nicht 14 Stunden am Tag arbeiten 

Ich habe nie länger als 10 Stunden am Tag gearbeitet, meistens nur 6-7. Zudem habe ich in aller Regel die Wochenenden frei gehabt. Dies geht mit Punkt 7 einher. Mein Kopf brauchte immer wieder eine Auszeit, um anschließend wieder gut zu funktionieren.

Das sind meine 8 Punkte. Sie gelten sicherlich nicht für jeden. Man könnte noch wesentlich mehr dazu schreiben und sagen. Promotionen werden aus den unterschiedlichsten Gründen aufgenommen und mit den unterschiedlichsten Zeitplänen verfolgt. Ich wollte innerhalb eines Jahres promovieren. Es hat mir – fast immer – großen Spaß gemacht. Das Ergebnis ist sicherlich nicht überragend, aber ordentlich. Es gibt sicherlich noch viele andere Wege, erfolgreich zu promovieren und jeder muss selbst für sich herausfinden, was für ihn passt.

Euer Tilmann