Referendariat: Wahlstation in den USA

Es wurde bereits in mehreren Blog-Beiträgen über die Vorzüge von Auslandsaufenthalten während des Studiums oder des Referendariats berichtet. Mit diesem Beitrag möchte ich euch nochmals zu einem solchen Schritt ermutigen und kurz meine Erfahrungen während meiner dreimonatigen Wahlstation in New York schildern.

Da ich weder zu Schulzeiten noch während des Studiums einen Auslandsaufenthalt genossen habe, stand für mich schon zu Beginn des Referendariats fest, dass ich die Wahlstation unbedingt im Ausland verbringen möchte. Die Wahlstation eignet sich dazu besonders, da sie in freier Wahl in jedem juristischen Berufsfeld absolviert werden kann.

Warum ich mich für New York entschieden habe ist dabei schnell erklärt: Ich wollte die Station im englischsprachigen Raum absolvieren, vorzugsweise den USA. Außerdem bin ich ein großer Freund von Großstädten und New York ist eine der herausragendsten Städte überhaupt. Dort einmal eine Zeit lang zu wohnen und zu arbeiten, war schon immer ein Traum.

Die Station und Stellensuche

Ich habe ca. 1 Jahr vor Stationsbeginn begonnen, mich bei unterschiedlichsten Stellen zu bewerben. Mit einer Ausnahme handelte es sich dabei ausschliesslich um Rechtsanwaltskanzleien.

Die Suche nach Kanzleien stellte sich dabei als nicht allzu schwierig dar. Insbesondere das Kammergericht bietet auf seiner Homepage ein PDF mit einer langen Liste von Rechtsanwälten, von denen bekannt ist, dass sie Referendare ausbilden (http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/kg/ausbildung/jur-vorb/vorb-dienst/berufsfeld_index.html). Eine ähnliche Liste stellt die Deutsche Botschaft in New York zur Verfügung (http://www.germany.info/Vertretung/usa/de/03__Konsulate/New__York/03/__Recht.html).

Aber auch über die ganz normale Internetrecherche findet man zahlreiche Kanzleien, die es sich lohnt zu kontaktieren. Als Suchkriterium bietet sich immer die direkte Suche nach deutschsprachigen Anwälten an, denn in us-amerikanischen Kanzleien, in denen deutsche Anwälte tätig sind, werden Referendare regelmäßig gern gesehen. Viele rein amerikanische Kanzleien hingegen sind mit unserem Ausbildungsmodell nicht vertraut und dementsprechend weniger interessiert bzw. kontaktfreudig.

Ich habe mir damals etwas mehr als ein halbes Dutzend Kanzleien herausgesucht, deren Tätigkeitsfelder mich interessierten. Es ist sehr zu empfehlen, so viele Stellen wie möglich anzuschreiben (Anschreiben und Lebenslauf nach amerikanischem Standart reicht meistens aus), denn nicht wenige Kanzleien reagieren gar nicht auf die Bewerbung.

Letztendlich bekam ich eine Zusage von der Kanzlei Rowland & Petroff, einer kleinen Kunst- und Restitutionsrechtskanzlei in Midtown Manhattan. Im Vergleich zu den anderen Stationen war es meine arbeitsreichste Stage. Ein Studientag, wie sonst üblich, gab es nicht und täglich arbeitete ich von ca. 9.00 – 18.00 Uhr. Die Arbeit an sich war jedoch höchst interessant: Kerngeschäft der Kanzlei ist es, Ansprüche ihrer überwiegend jüdischen Mandantschaft gegen die Bundesrepublik Deutschland geltend zu machen. Diese Ansprüche resultieren überwiegend aus Vermögensverlusten (Kunstgegenstände, Grundstücke, etc.), die zur Zeit des Nationalsozialismus entstanden sind. Sehr schön, und mal ganz unjuristisch, war dabei die Provenienzforschung zu einzelnen Kunstgegenständen in den verschiedenen New Yorker Museumsbibliotheken.

Das Visum

Nur eine kleine bürokratische Hürde stellt das „J1-Visum“ dar, welches für ein Praktikum in den USA und auch für Rechtsreferendare Einreisevoraussetzung ist. Die Beantragung des Visums kann bis zu drei Monate in Anspruch nehmen. Auch deshalb ist eine frühzeitige Bewerbung und Antragstellung sinnvoll, damit die Vorbereitungen für den Auslandsaufenthalt nicht zur Belastung bei der Vorbereitung auf die schriftlichen Examensprüfungen werden, denn diese stehen unmittelbar vor der Wahlstation an.

Bevor ein Konsulartermin (Konsularabteilungen Berlin, Frankfurt a.M. oder München) vereinbart werden kann, muss man sich um ein Visumzertifikat bemühen. Dieses wird nicht von der konsularischen Vertretung sondern von bestimmten Sponsororganisationen vergeben. Hierzu kann man sich zum Beispiel an die Deutsch Amerikanische Handelskammer wenden (http://www.gaccny.com/dienstleistungen/praktikum/j-1-visaservice/). Die meisten Kanzleien sind mit dem Verfahren vertraut und geben Hilfestellungen bei der Erlangung des Zertifikats.

Finanzierung

Ich habe mich auch deshalb für eine Station bei einer Kanzlei entschieden, da diese regelmäßig zum regulären Referendargehalt eine Unterhaltshilfe zahlen. Organisationen wie die Außenhandelskammer oder die UN machen dies nicht. New York ist ein recht teures Pflaster, insbesondere was den Wohnraum angeht. Es ist schwer, gerade in Manhattan oder West-Brooklyn, Zimmer für unter 1.000 $ zu finden. Einen ähnlich hohen Betrag wird man auch für den monatlichen Lebensunterhalt aufbringen, will man doch gerade die vielen Kultur- und Freizeitangebote nutzen. Nicht zu vergessen sind auch die Bearbeitungsgebühren für das Visum, die an die 900 $ betragen können. Es bietet sich daher an, frühzeitig ein Budget festzulegen und daraufhin zu sparen.

Wohnung

Wie erwähnt ist die Unterkunft ein besonderer Kostenpunkt. Auch die Suche von Deutschland aus kann sich schwierig gestalten. Beliebt sind daher die klassischen internationalen Männer- oder Frauenwohnheime, wie das Kolpinghaus oder das Websterhouse. Diese sind zentral in Manhattan gelegen und mit monatlichen Zimmerpreisen bis zu 1.000 $ für New Yorker Verhältnisse recht preiswert. Ein Vorteil dieser Häuser ist, dass man unheimlich schnell mit vielen Studenten in Kontakt kommt und damit recht zügig „mitten im Leben“ steht. Man muss aber darauf achten, dass sich keine „Wohnheim-Enklaven“ bilden und der Kontakt zu den Amerikanern zu kurz kommt. Diese Gefahr besteht nicht so sehr, wenn man eine WG bezieht. Angebot findet man zum Beispiel bei www.craigslist.org oder www.airbnb.com.

Freizeit

New York bietet einfach unglaublich viel und für jeden etwas. Natürlich gibt es das komplette Programm mit Sehenswürdigkeiten und Museen. Ich erinnere mich aber auch immer besonders gerne an das abendliche Joggen im Central Park, die sonntäglichen Ausflüge zum Rockaway Beach und die Straßenfeste und Flohmärkte in Brooklyn. Wer andere deutsche Referendare kennenlernen möchte, geht zum Referendarfrühstück von Alston & Bird, immer Freitags von 8.00 – 9.30 Uhr. Dort werden auch informative Vorträge zu ausgewählten Themen des amerikanischen Rechts gehalten.

Fazit

Die Zeit in New York war ein ganz besondere und wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich kann nur jedem empfehlen, von der Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes Gebrauch zu machen. Die sprachliche und persönliche Entwicklung ist von besonderem Wert. Ihr werdet es nicht bereuen.

Euer Julian