Ab ins Ref…

Du hast frisch die mündliche Prüfung im 1. Staatsexamen hinter dir und fragst dich wie es mit dir & Jura weiter gehen soll? Dann stehst Du nicht allein da. Zumindest erging es mir letztes Jahr nach der mündlichen Prüfung nicht viel anders.

Falls Du nun jetzt nicht einen längeren Auslandsaufenthalt (verbunden mit einem LLM evtl.) anstrebst, dann solltest du dich- um lange Wartezeiten zu vermeiden- nach Abholung deines Zeugnisses vom GJPA (in der Regel 3 Tage nach der mündlichen Prüfung möglich) sofort in die Warteliste beim GJPA eintragen lassen. Einstellungen in den Vorbereitungsdienst werden dabei zum 1. Arbeitstag der Monate Februar, Mai, August und November jeden Jahres vorgenommen. Dabei erfolgt die Verteilung der Plätze folgendermaßen:

Bis zu 20 % der jeweils verfügbaren Ausbildungsplätze werden an Bewerber vergeben,         deren Gesamtpunktzahl im 1. Staatsexamen mindestens 10 Punkte betrug, bis zu 10 % für Bewerber, für die Zurückstellung eine außergewöhnliche Härte begründen würde.

Die restlichen Ausbildungsplätze werden in der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs der Zeugnisse vergeben, und zwar bis zu 80 % an Bewerber, die das 1. Staatsexamen in Berlin  abgelegt haben und bis zu 20 % an sonstige Bewerber.

Dabei beträgt die Wartezeit für Berliner Bewerber, die nicht in der Bestenliste sind, derzeit etwa 7 Monate- jeweils abhängig von der Anzahl der Bewerber und den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln des Landes Berlin.

Hast du nun einen Ausbildungsplatz bekommen, dann warten die unterschiedlichsten und mitunter sehr spannende Stationen innerhalb des 2- Jährigen Refs auf dich.

  1. Zivilstation

Das Ref beginnt mit der Zivilstation beim Richter am AG/ LG (je nach Zuteilung), dem aber ein jeweils 4- wöchiger Einführungslehrgang als Vorbereitung auf die Station vorangeht. Hier werden- meist von einem Zivilrichter- im Schnelldurchlauf das Wesentliche der Zivilprozessordnung und vor allem die wichtigste Aufgabe eines jeden Richters- nämlich Urteile schreiben- beigebracht. Nach 4-Wochen Einführungslehrgang schließt sich die 3- monatige Praxisphase beim Richter an, die aber jeweils von einer wöchentlichen AG begleitet wird. In der Zivilstation darf man sich seinen Ausbilder zwar nicht aussuchen, falls man aber beim LG landet, kann man sich zumindest eine Kammer wünschen- diesem Wunsch wird in der Regel auch entsprochen. Dabei gibt es eine Bandbreite an Kammern, die von Presse-, Versicherungs-, Verkehrsunfall-, Bank-, Handels-, Urheberrecht-, Miet-, bis hin zu Arzthaftungssachen etc. reichen. Falls man also ein besonderes Interesse für eines dieser Gebiete hegt, dann sollte man dies ruhig als Wunsch angeben. In der Station beim Zivilrichter hat man diesen dann 1- 2 Mal pro Woche (manchmal sogar 3) zu Verhandlungen zu begleiten und wöchentlich ein Urteil zu schreiben, welches auch bewertet wird und in das Zeugnis beim Ausbilder mit einfließt. Wenn man Glück hat, kann man- idR erst zum Ende der Station- durchaus auch mal eine Verhandlung selbst führen und schonmal im Ref den Richter spielen;) Da das 2. Examen ein Praktikerexamen ist, sollte man gerade in der Praxisphase versuchen so viel wie möglich mitzunehmen, da der Mensch nun mal sein Wissen durch Anwendung am besten vertiefen kann. Aber auch die AG sollte man als Vorbereitung fürs Examen ganz bewusst nutzen, zumal in jeder AG pro Station 3 Klausuren geschrieben werden, die auch im AG- Zeugnis bei der Bewertung Berücksichtigung finden. Mein Ausbilder- der gleichzeitig auch Prüfer im 2. Staatsexamen ist- hat mir dabei verraten, dass gute Leistungen beim Ausbilder und in der AG durchaus auch ausschlaggebend bei der Vergabe eines Prädikats sein können- wenn man z.B. 8,7 Punkte insgesamt erreicht hat + überdurchschnittliche Leistungen im Ref (nachgewiesen durch die Zeugnisse beim Ausbilder + AG- Leiter), kann man grds auch auf 9,0 Punkte hochgestuft werden. Daher sollte man die Zeit beim Ausbilder + in der AG nicht auf die leichte Schulter nehmen.

  1. Strafrechtsstation

Der 4- monatigen Zivilstation schließt sich dann die 3 ½- monatige Strafrechtsstation an. Diese startet mit einem 2-wöchigen Einführungslehrgang, in der diesmal die Grundzüge der Strafprozessordnung veranschaulicht werden und vor allem das Schreiben einer Anklageschrift und eines Plädoyers- die typischen Aufgaben eines Staatsanwalts. Denn anders als in der Zivilstation wird man iRd Strafrechtsstation in der Praxisphase nicht von einem Strafrichter, sondern von einem Staatsanwalt ausgebildet, weil die Institution der Staatsanwaltschaft eine Besonderheit des Strafrechts ist. Hier schreibt man dann jeweils wöchentlich abschließende Verfügungen und besucht 1 mal wöchentlich eine AG. Wieder anders als in der Zivilrechtsstation hat man hier regelmäßig Sitzungsvertretungen der Staatsanwaltschaft zu übernehmen, wobei die wesentliche Aufgabe darin besteht, die Anklageschrift zu verlesen und im Falle einer Verurteilung ein Plädoyer in der Rolle des „Staatsanwalts“ selbst zu halten. Dies erfordert also volle Verantwortungsbereitschaft, macht aber auch unheimlich viel Spass, da man hier selbst als „richtiger“ Staatsanwalt agiert.

  1. Verwaltungsstation

Diese wird wieder von einem Einführungslehrgang und einer AG begleitet. Die Praxisphase kann man je nach Wunsch bei einem Bezirksamt, aber auch bei der Ärztekammer, in der Zentralstelle des Auswärtigen Amts in Berlin, beim Bundesministerium für Gesundheit/ Soziales/ Justiz/ Finanzen/ Inneres…, an der FU, an der Hochschule für Schauspielkunst, beim RBB, IHK, in der Rechtsanwaltskammer, beim Umweltbundesamt etc.. verbringen.

  1. Anwaltsstation

Diese beträgt 9 Monate und erfolgt wie die Verwaltungsstation wieder auf Eigeninitiative. Hier hat man die Möglichkeit entweder in einer kleinen Kanzlei oder aber auch in einer Großkanzlei schon mal ins Berufsleben eines Anwalts reinzuschnuppern. Auch besteht bereits hier schon die Möglichkeit ins Ausland zu gehen.

  1. Schriftlicher Teil des Examens

Am Ende der Anwaltsstation folgt ca. im 19. Monat das 2- wöchige schriftliche Examen.

  1. Wahlstation

Dem schriftlichen Examen schließt sich die Wahlstation an, in der man frei nach Wunsch seine Station aussuchen kann und anders als in der Verwaltungsstation z.B. sich auch für  Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes bewerben kann- also nicht auf Berlin beschränkt ist.

  1. Mündlicher Teil des 2. Staatsexamens

Seinen Abschluss findet das Ref dann mit der mündlichen Prüfung im 24. Monat des Refs.

Wie Ihr sieht, bietet das Ref gerade für alle Unentschlossenen die perfekte Möglichkeit in die unterschiedlichsten Berufsfelder eines Juristen- wenn auch nur für kurze Zeit- einzutauchen und einen 1. Einblick zu gewinnen. Ich befinde mich gerade in der Strafrechtsstation und kann nur sagen, dass das Ref als praktischer Teil der Juristenausbildung unheimlich viel Spass macht und sehr abwechslungsreich ist. Hier findet die praktische Anwendung des Theorie-Teils des Jurastudiums statt. Gerade wegen der praktischen Tätigkeit in den Stationen und der Zeit die gerade im Ref sehr schnell vergeht, sollte man aber das Examen nicht aus den Augen verlieren und so früh wie möglich- zumindest versuchen- sich gezielt aufs Examen vorzubereiten- natürlich aber immer nur Step by Step, um auch fit genug ins Examen gehen zu können!

Eure Safiye