Die Wahl des richtigen Schwerpunktbereiches – interessengeleitet oder lieber strategisch?

Die Zeit in der Uni vergeht wie im Flug. Gerade hat man sich eingelebt und das Grundstudium hinter sich gebracht, sind auch schon einige wichtige Fragen zu klären: Wie koordiniere ich meine Übungen, welchen Schwerpunkt soll ich wählen und wann will ich eigentlich ins Examen gehen? Meiner Erfahrung nach sind das alles Fragen, über die sich die meisten erstmal gar keine Gedanken machen.

Aber dann geht es eben doch schneller als man denkt und man muss sich entscheiden. Gerade die Wahl des Schwerpunktes ist dabei nicht unerheblich – schließlich ist es die erste richtig wichtige Note, denn sie zählt mit nicht unerheblichen 30 % für die Endnote im ersten Staatsexamen. Das Problem ist nur: man hat die Qual der Wahl. Die meisten Unis bieten eine Vielzahl von Bereichen an. Meine Heimatuniversität – die FU Berlin –hatte zu meiner Zeit 7 Schwerpunktbereiche, die quasi alle großen Gebiete abdecken: von Rechtsgeschichte über Verbraucherprivatrecht, bis hin zu Strafrechtspflege oder Internationalem Recht war alles dabei. Stellt sich nur die Frage, wie man sich da entscheiden soll?!

Ich steckte damals selbst ein bisschen in der Klemme bei dieser Frage. Interessenstechnisch war meine Wahl klar: Strafrechtspflege und Kriminologie. Als ich das Prüfungsbüro zur Anmeldung aufsuchte sah mich die Mitarbeiterin zweifelnd an und wies darauf hin, dass die Notengebung in diesem Schwerpunkt oftmals nicht besonders üppig ausfalle. Ich blieb bei meiner Entscheidung. Trotzdem stellte ich mir die Frage: hätte ich meine Entscheidung vielleicht auch an anderen Kriterien orientieren können? Also zum Beispiel der Frage, wo man angeblich „leicht“ die besten Noten bekommt? Oder welcher Schwerpunkt am Ende derjenige ist, der sich bei Bewerbungen am besten macht?

Die Gerüchteküche brodelt ja bekanntlich ständig an den Unis und so gab es sie bei uns natürlich auch, die angeblich besser benoteten Schwerpunkte sowie die Karrierekick-Wahlen, die der Legende nach besonders von irgendwelchen Großkanzleien besonders gerne gesehen werden. Interessant daran ist aber natürlich besonders, dass immer diejenigen als Fachmann für diese Fragen auftreten, die selbst noch VOR dem Schwerpunkt stehen und damit in der Regel wenig zu dieser Frage sagen können.

Nach meinen eigenen Erfahrungen und denen vieler Bekannter und Freunde würde ich meine Entscheidung jedenfalls immer wieder nach dem Interesse richten und nicht nach vermeintlich strategischen Erwägungen. Dafür sprechen aus meiner Sicht verschiedene Erwägungen:
1) Man ist in der Regel wesentlich motivierter, wenn man sich für eine Sache interessiert und ist dementsprechend dann auch bereit viel mehr zu investieren. Das zahlt sich am Ende auch für das Ergebnis aus. 2) Auch wenn es angeblich immer die gut und schlecht benoteten Bereiche gibt, glaube ich daran eigentlich nicht so richtig. Letztlich ist das allenfalls das, was in den Jahren zuvor passiert ist, aber daher nicht zwangsläufig das, wie es weiter gehen wird. Vielleicht lag es auch daran, dass in den jeweiligen Semestern davor einfach viele gute Studenten in dem Bereich waren?! Oder vielleicht ändert der Professor seine Linie oder es nehmen ganz andere Personen die Prüfung ab?! Man weiß es also nicht – auf einer solchen Basis die Entscheidung zu treffen halte ich daher für gewagt. Abgesehen davon, dass ich unterstellen möchte, dass auch (oder gerade) die Professoren keine Standartnoten vergeben, sondern die jeweilige Leistung bewerten. Auch wenn es in Bezug auf die Ausschöpfung der Notenskala zugegebenermaßen natürlich durchaus Unterschiede gibt. 3) und letztens: ich bin davon überzeugt, dass man in jedem Bereich eine gute Note erzielen kann – vorausgesetzt man hängt sich rein und tut alles dafür. Das ist dann wiederum eine Frage der Motivation, womit wir wieder bei 1) wären.

Ich würde daher jedem raten, sich genau zu überlegen, wie er seine Wahl trifft und aus welchem Grund. Ich jedenfalls habe meine Entscheidung nie bereut!