Aufsätze lesen

Nachdem ich über den Nutzen der Lektüre von Entscheidungen geschrieben habe, geht es bei dem vorliegenden Beitrag um den Nutzen des Lesens von Aufsätzen. Neben dem Erlernen von juristischer Sprache, kann man sich durch Lesen von Aufsätzen u. a.

  1. Darstellungsstil von Meinungsstreiten,
  2. vertiefende Behandlung von Problemen,
  3. Erweiterung des Blickwinkels und Verschärfung des Problembewusstseins und
  4. Einblicke in eher unbekannte Probleme
    aneignen.


Zu den einzelnen Punkten:

1. Darstellungsstil von Meinungsstreiten

Das Herunterspülen von auswendig gelernten Meinungsstreiten und ein unstrukturiertes Herunterschreiben von Argumenten und Gegenargumenten sind für den Erfolg in der Klausur und den Hausarbeiten abträglich. Es kommt entscheidet darauf an, ob der/die Studierende das Problem dort anspricht, wo es sich stellt und ob die Argumente strukturiert dargestellt werden, so dass der Leser in der Lage ist, die dargestellte Ansicht nachzuvollziehen.

2. Vertiefende Behandlung von Problemen

Da sich die Aufsätze in juristischen Ausbildungszeitschriften in der Regel an Studierenden richten, ist die Darstellung so, dass der Stoff dem Studierenden zugänglicher ist, als z.B. bei einschlägigen Kommentaren. Manche Aufsätze behandeln ein Problem, das z. B. in einem Lehrbuch in einem Satz erwähnt wird, auf mehreren Seiten. Die Argumente werden ausführlich dargestellt. Damit beschäftigt sich der Leser mit einem einzigen Problem länger.

3. Erweiterung des Blickwinkels und Verschärfung des Problembewusstseins

Die längere Beschäftigung mit einem einzigen Problem sollte nicht als Zeitverschwendung bewertet werden. Sie hat den Vorteil, bei der Klausurbearbeitung unbekannte Probleme zu erkennen und sie sachgerecht einer Lösung zuzuführen. Außerdem kann man mit „Standardargumente“ die Probleme gut bewältigen. Mit einer vertiefenden Argumentation kann man auf höhere Punkte vorstoßen.

4. Einblicke in eher unbekannten Probleme

Wie bereits erwähnt behandeln die VerfasserInnen von Aufsätzen die Standardprobleme ausführlicher, als die im Lehrbuch (dies sollte nicht als Kritik an Lehrbüchern verstanden werden, denn die Lehrbücher können nicht jedes Problem ausführlich behandeln, sonst würden die Rahmen eines Lehrbuches bei weitem überschritten.) getan wird. Daneben werden Probleme angesprochen, die in Lehrbüchern eher stiefmütterlich behandelt werden.
Damit ihr überprüfen könnt, ob das, was ich oben geschrieben habe, stimmt, könntet ihr einige Aufsätze von Geppert in Jura nachlesen. Es lohnt sich.

Euer Habip